xliquid

Interview mit Benny Rievers – Finalist beim INNOspace Masters 2019

Das Thermalkontrollsystem (TCS) zur Regelung der Temperatur von Nutzlasten und Satellitenbussen bei unterschiedlicher interner und externer Wärmebelastung gehört zu den kritischen Komponenten von Satelliten. Herkömmliche TCS verwenden Kühlflüssigkeiten und mechanische Pumpen, deren Vibrationen Nutzlasten und Sensoren an Bord von Satelliten beeinträchtigen. Benny Rievers von ZARM, der INNOspace Masters Finalist der DLR-Challenge 2018/2019, konzipierte eine TCS-Technologie auf Basis einer Kühlflüssigkeit aus Ferrofluiden, die durch Magnetfelder gepumpt wird, um mechanische Vibrationen zu vermeiden.

Regine Heue (RH), Head of Marketing & Communications bei AZO, interviewt Benny Rievers (BR), Leiter der Arbeitsgruppe Mikrosatelliten und Modellierungsmethoden des Zentrums für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen.

RH: Sie haben 2019 Ihre Idee beim INNOspace Masters eingereicht. Was hat Sie zur Teilnahme an dem Wettbewerb bewogen?

BR: Der INNOspace Masters ist der perfekte Wettbewerb für innovative Projektideen. Es ist oft schwer, eine neue Idee mit begrenzter Vorerfahrung zu verwirklichen, weil solche Ideen bei traditionellen Finanzierungssystemen als äußerst riskant gelten. Der INNOspace Masters verwirklicht innovative interdisziplinäre Projekte und unterstützt auf diese Weise auch unkonventionelle Denkansätze. Projektideen müssen also nicht in erster Linie an finanzierungstechnische und politische Bedenken angepasst werden, die in klassischen Finanzierungsinstitutionen vorherrschen.

Hinzu kommt der besondere Charakter der INNOspace Masters Challenges. Wer mit anderen nationalen und internationalen Gruppen konkurriert, die ihren Input vorbereiten, ist extrem motiviert, einen gut durchdachten und ausführlichen Vorschlag einzureichen, der es bis in die Jury schafft. Und selbst dann, wenn die Einreichung beim INNOspace Masters nicht erfolgreich ist, sind das Erlebnis und die investierte Arbeit enorm wertvoll, wenn man nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten sucht oder das Projekt anderweitig voranbringen möchte.

RH: Inwiefern hat es Ihnen bei der Entwicklung Ihrer Idee geholfen, dass Sie in der Challenge erfolgreich waren, und welche Form der Unterstützung erhielten Sie vom DLR Raumfahrtmanagement?

BR: Nachdem wir 2018/2019 den zweiten Platz bei der DLR-Challenge erzielten, wurden wir gebeten, einen vollständigen Projektvorschlag einzureichen. Es gab einen gewissen Verwaltungsaufwand zu bewältigen, aber danach wurde die Finanzierung für unser Gemeinschaftsprojekt mit dem Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM), der Universität Bremen und der ZARM Technik AG zugesagt. Die Finanzierung des Projekts ist für die beiden nächsten Jahre gesichert. Unser Ziel besteht darin, einen Demonstratoraufbau für ein Kühlsystem mit Ferrofluiden zu entwickeln, das für Anwendungen bei Raumflügen genutzt werden kann.

RH: In welcher Entwicklungsphase befindet sich Ihre Idee momentan?

BR: Das Projekt startete im Oktober, der offizielle Auftakt ist November 2019. Momentan sind wir damit beschäftigt, die erforderliche Hardware für unsere Laboreinrichtung zu beschaffen, und unser Team beginnt gerade mit der Arbeit an den ersten Arbeitspaketen. Die ersten Schritte bestehen im Aufbau des ersten Pumpsegments und der Entwicklung eines numerischen Modells für den Pumpmechanismus, basierend auf oszillierenden elektromagnetischen Feldern.

RH: Und last, but not least: Welche Empfehlungen würden Sie Personen mit auf den Weg geben, die sich für eine Teilnahme am INNOspace Masters interessieren?

BR: Das Wichtigste scheint mir: Wer eine Idee hat, von der er überzeugt ist, sollte einfach teilnehmen. Wir haben das Online-Einreichungsformular genutzt, das in einem moderaten Zeitrahmen bearbeitet werden kann. Wenn man seine Lösung der Datenbank einreicht, hilft das einem auch dabei, die wesentlichen Aspekte herauszuarbeiten, denn auch Menschen, die keine Experten sind, sollten die Einreichung verstehen können. Auf diese Weise profitiert man von der Teilnahme, auch wenn man nicht ausgewählt wird, um der Jury seinen Pitch präsentieren.

Und wird man ausgewählt, ist die Pitch-Vorbereitung deiner Lösung definitiv ein tolles Erlebnis: Um den Anforderungen gerecht zu werden, muss man alles punktgenau zusammenfassen, sich auf das Wesentliche konzentrieren und immer wieder üben. Dabei optimiert sich die Qualität des Beitrags. Beim ersten Pitch lernt man auch seine Konkurrenten erstmals kennen.

Wer es in die zweite Runde schafft, erhält ein spezielles Coaching, damit der finale Pitch noch erfolgreicher wird. Hier trifft man erneut auf andere erfolgreiche Teams und ihre Projekte. Es herrscht eine sehr produktive und kooperative Atmosphäre, und alle arbeiten gemeinsam daran, jeden einzelnen Pitch zu verbessern.

Man profitiert nicht nur von der Unterstützung für sein Projekt, sondern knüpft auch neue Kontakte und erhält Einblicke in andere interessante Projekte und Vorhaben, aus denen sich neue Kooperationen ergeben können. Gerade die Mischung aus Teilnehmern von Universitäten, KMUs und Start-ups eröffnet immer tolle Möglichkeiten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Teilnahme am INNOspace Masters ein sehr bereicherndes Erlebnis ist, sowohl auf beruflicher wie auf privater Ebene. Die Anforderungen sind hoch, aber wenn es beim ersten Mal nicht klappt, sollte man sich definitiv im nächsten Jahr mit einer neuen Lösung bewerben. So haben wir es gemacht und sind nun in der Lage, unsere Lösung zu entwickeln. Ich kann nur jeden zur Teilnahme ermutigen, der eine innovative Lösung hat, um diese mit Unterstützung des INNOspace Masters zu verwirklichen.

Benny Rievers
Benny Rievers

Benny is the Head of the Micro Satellite and Modelling Methods Group at the Center of Applied Space Technology and Microgravity (ZARM) at the University of Bremen. He has been awarded as “Jungwissenschaftler 2013” by the foundation “Werner von Siemens Ring” and won the COSPAR Zeldovich Medal in Fundamental Physics in 2014. Currently, he is working on precise orbit propagation and determination in the scope of satellite geodesy and fundamental physics missions as well as on innovative technologies for micro satellites.

Diese Seite nutzt Cookies

Bitte akzeptieren Sie Cookies und Tracking auf dieser Seite für das beste Nutzungserlebnis.

Wenn Sie die Nutzung von Cookies auf dieser Seite ablehnen, werden wir diese Information in einem erforderlichen Cookie speichern. Sie haben dann möglicherweise nicht das beste Nutzungserlebnis auf dieser Seite.

Um Ihre Privatsphäre zu schützen, blockieren wir alle Cookies und Tracking-Skripte, bis Sie der Nutzung zustimmen.

Notwendige Cookies tragen zur Nutzbarkeit einer Seite bei und ermöglichen grundlegende Funktionen wie Navigation oder Zugriff auf gesicherte Bereiche. Darüber hinaus wird Ihre Zustimmung zu oder Ablehnung von weiteren Cookies und Tracking-Skripten in einem notwendigen Cookie gespeichert. Die Seite funktioniert ohne diese Cookies nicht.

Marketing-Cookies werden für Personalisierung und Tracking von Nutzern über Websites und Geräte hinweg verwendet. Diese Cookies helfen uns, relevanten Inhalt für den individuellen Nutzer anzuzeigen.

Marketing Services auf dieser Seite:

  • Mautic

Tracking-Cookies helfen uns dabei, das Verhalten der Besucher besser zu verstehen. Wir zeichnen Ihre Interaktionen über Seiten und Geräte hinweg auf, um das Nutzungserlebnis auf dieser Seite zuverbessern.

Tracking Services auf dieser Seite:

  • Mouseflow
Diese Seite nutzt Cookies

Bitte wählen Sie:

Laden...

Ablehnen?

Wenn Sie die Nutzung von Cookies auf dieser Seite ablehnen, werden wir diese Information in einem erforderlichen Cookie speichern und Ihren Wunsch akzeptieren.